Die Studie „The economic value of trees in urban areas: estimating the benefits of Adelaide’s street trees“ (Der wirtschaftliche Wert von Bäumen in städtischen Gebieten: Schätzung des Nutzens der Straßenbäume von Adelaide) von Phillip Killicoat, Eva Puzio und Randy Stringer verdeutlicht den ökonomischen Nutzen von Stadtbäumen am Beispiel der Stadt Adelaide. Mit freundlicher Genehmigung von treenet.org.

Bäume in Städten, in Parks, in Gärten und entlang Straßen bilden einen urbanen Wald, der durch zunehmende Verstädterung auch immer wichtiger wird. Doch Bäume bieten mehr, als nur schön auszusehen!

Unabhängig von ihrem Standort bieten sie ein breites Spektrum an wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Vorteilen, die eng miteinander verknüpft sind. Bäume in Städten sparen Energie, reduzieren Kohlenstoffdioxid in der Atmosphäre, verbessern die Luftqualität und puffern starke Regenfälle.

Bei der Berechnung des ökonomischen Nutzens sollten all diese Vorteile berücksichtigt werden.

Doch wie misst man den Nutzen eines Stadtbaums?

Der wirkliche Nutzen eines Baumes ist nicht leicht zu bestimmen. Häufig fehlen wichtige Informationen und das Potential eines Stadtbaums wird nicht ganz ausgeschöpft. Außerdem können die Vorteile nur schwer gemessen werden.

Die Berechnung der Kosten, die ein Baum verursacht, ist hingegen einfach, da konkrete Zahlen für Pflanzung, Bewässerung und Baumpflege vorliegen.

Der ökonomische Nutzen der Bäume lässt sich allerdings nicht so einfach berechnen. Für einige Faktoren wie ästhetische Werte, biologische Vielfalt, Schutz von Wassereinzugsgebieten und Klimaregulierung gibt es (noch) keine konkreten Preise. Diese Faktoren werden oft nicht im Preis berücksichtigt.

Außerdem erschweren unterschiedliche Interessen die Berechnung. Vorteile und Leistungen der Bäume werden von verschiedenen Interessensgruppen unterschiedlich gewichtet. Da viele der Vorteile miteinander und mit anderen Faktoren verknüpft sind, kann man sie aber trotzdem messbar machen.

Berechnung der jährlichen Kosten

Um die jährlichen Kosten (K) eines Baumes zu berechnen sollten folgende Faktoren berücksichtigt werden:

  • Jährlicher Preis für Baumpflanzung (P)
  • Jährlicher Preis für Baumbeschnitt (B)
  • Jährlicher Preis für die Schädlings- und Krankheitsbekämpfung (S)
  • Jährlicher Preis für Reparatur durch Bäume beschädigter Infrastruktur (R)
  • Jährliche Kosten für Verwaltung (V)
  • Jährlicher Preis für Fällung von Bäumen (F)
  • Jährlicher Preis für die Beseitigung von Laub und durch Sturm abgefallene Äste (L)
  • Jährliche Versicherung für Haftung für Straßenbäume (H)

Daraus ergibt sich für die Kosten die Formel:
K = P + B + S + R + V + F + L + H

Urbane Wälder als Teil des Entwicklungsprozesses

Bäume und Wälder tragen in vielerlei Hinsicht zur Stadtentwicklung bei. Sie sind sozusagen unser Naturkapital.
Bäume leisten wichtige Dienste, für unsere Städte und das Wohlbefinden ihrer Bewohner. Sie kühlen die Umgebung, sparen Energie, reduzieren den Regenwasserabfluss und absorbieren Schadstoffe.

Ohne sie müssten dafür zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen getroffen werden, was mit messbaren Kosten verbunden ist, die so eingespart werden können.

Außerdem können Bäume durch ihren ästhetischen Wert zur Erreichung von Stadtentwicklungszielen, wie beispielsweise dem Anziehen neuer Investoren und damit verbunden einem Steigen des Wachstums beitragen.

Berechnung des jährlichen Nutzen

Auch für den Nutzen (N) kann eine ähnliche Formel aufgestellt werden. Die vorgeschlagenen Faktoren, die dabei berücksichtig werden sollten sind:

  • Jährlicher Preis der Energieeinsparungen für Kühlung und Heizung (E)
  • Jährlicher Preis für Verbesserung der Luftqualität durch Schadstoffaufnahme und vermiedene Kraftstoffemissionen (L)
  • Jährlicher Preis der Kohlenstoffdioxidreduzierung (K)
  • Jährlicher Preis für Verringerung des Regenwasserabflusses (R)
  • Jährlicher Preis des Immobilienwertes und damit verbundener Vorteile (I)
  • Jährliche Einsparungen durch Reduzierung der Straßenerneuerung (S)

Für den ökonomischen Nutzen der Bäume ergibt sich also die Formel:
N = E + L + K + R + I + S

Wie berechnet man den ökonomischen Nutzen?

Um den ökonomischen Nutzen messbar zu machen müssen die verschiedenen Vorteile, die Bäume bringen, und daraus resultierende Folgen genauer betrachten. Dabei sind für die jährlichen Kosten und Nutzen verschiedene Faktoren zu berücksichtigen.

Die vorgeschlagenen Faktoren zur Berechnung des Nutzens werden durch verschiedene Vorteile der Bäume geprägt.

Im Folgenden werden die einzelnen Faktoren etwas genauer beleuchtet.

Energieeinsparung

Einer der Punkte, der für viele Städte besonders wichtig ist, ist die Temperatur und der dadurch entstehende Energieverbrauch. Im Sommer entstehen in vielen Städten durch die enge Bebauung, weniger Wind und menschliche Aktivitäten Wärmeinseln. Diese müssen durch zusätzliche Energieausgaben ausgeglichen werden.

Bäume reduzieren den Energieverbrauch, indem sie im Sommer die Umgebung beschatten, durch Verdunstungskälte die Temperaturen senken und im Winter isolierend wirken. Dadurch wird im Sommer weniger Energie für Klimaanlagen und Ventilatoren und im Winter weniger Energie für Heizkosten benötigt, wodurch folglich auch die Energiekosten sinken.

Energieeinsparung durch Schatten
Bäume können im Sommer die Temperatur an einem Standort um bis zu 11° C senken. Die Temperatur von harten Oberflächen im Schatten unter einem Baum haben sogar bis zu 19° C niedrigere Temperaturen.

Insgesamt entstehen durch Schatten der Bäume bis zu 27 % weniger Kosten für die sommerliche Kühlung. Am besten funktioniert das, wenn die Westwand eines Hauses beschattet wird. Wenn die Kühlanlagen beschattet werden kann dies zu einer Energieeinsparung von 10 % führen.

Insbesondere im Sommer spielt Schatten durch die kühlende Wirkung also eine bedeutende Rolle für die Einsparung von Energiekosten.

Da die Umgebung aber auch im Winter durch Bäume gekühlt wird können unter einem immergrünen Blätterdach leicht erhöhte Heizkosten von bis zu 12 % entstehen, im Schatten der Bäume steigt der Energieverbrauch im Winter um bis zu 5 %.

Energieeinsparung durch Windsteuerung
Die Windsteuerung der Bäume ist insbesondere im Winter von Bedeutung. Bäume blockieren den Wind und lenken ihn ab, reduzieren so den Kühlfaktor. So verringern sie das Eindringen und den Austausch von Kaltluft in einem Haus. Sie können die Windgeschwindigkeit um bis zu 50 % reduzieren und so die benötigte Heizenergie, trotz blockierter Sonneneinstrahlung, um bis zu 7 % senken.

Es ist allerdings auch zu beachten, dass der Kühlenergieverbrauch durch das Blockieren von kühlenden Brisen im Sommer leicht ansteigt.

Energieeinsparung durch Verdunstung
65 % der Wärme, die bei voller Sonneneinstrahlung auf einem Baum entsteht, wird durch aktive Verdunstung von den Blattoberflächen abgeführt. Durch diese Verdunstung wird die benötigte Gebäudekühlung um 17 % reduziert.

Verbesserung der Luftqualität

Durch den reduzierten Energieverbrauch sinken außerdem die Schadstoffemissionen, die von Kraftwerken produziert werden. Zudem reinigen Bäume die Luft, indem sie Schadstoffpartikel auffangen und Schadstoffgase absorbieren. Zu diesen Schadstoffen gehören Stickstoffoxide, Schwefeldioxide, Kohlenmonoxid, Kohlenstoffdioxid, Ozon und kleine Partikel von weniger als 10 Mikrometern.

Laubbäume können bis zu 9 % dieser Partikel entfernen, bei Nadelbäumen sind es sogar 13 %.

Durch Pollen und Schimmelpilzsporen, die Teil des lebenden Systems in Baumgebieten sind, können diese Werte noch weiter verbessert werden. Im Optimalfall können bis zu 60 % der Straßenpartikel reduziert werden.

Kohlenstoffdioxidreduzierung

Insbesondere bei der Kohlenstoffdioxidreduzierung spielen Bäume eine große Rolle. Sie nehmen das CO2 im natürlichen Prozess der Photosynthese auf.

Jährlich nimmt die Kohlenstoffspeicherung der Bäume um 6,5 Millionen Tonnen zu, ein einzelner Baum speichert durchschnittlich etwa 6 kg Kohlenstoff pro Jahr.

Verringerung des Regenwasserabflusses

Durch die Bebauung in Städten gibt es mehr versiegelte und verdichtete Oberflächen, auf denen Wasser nicht verdunstet und durch die die Versickerung verringert wird. Dadurch erhöht sich das Wasservolumen, die Abflussgeschwindigkeit und die Schmutzlast des Wassers. Die Folge sind schlechtere Wasserqualität, Erosion und ein erhöhtes Risiko für Überschwemmungen.

Bäume fangen Wasser ab, verlangsamen es, verdunsten es oder speichern es. So können zusätzlicher Kosten zu Verringerung der Wassermengen und Reinigung vermieden werden. Bis zu 7 % der Winterniederschläge können von Laubbäumen abgefangen und verdunstet werden, bei Nadelbäumen sind es 22 %.

Zudem fungieren sie als Filter, die Nährstoffe und Sedimente entfernen und gleichzeitig die Grundwasserneubildung erhöhen. Während den ersten 15 Minuten eines Sturms können bis zu 47 % der Oberflächenschadstoffe reduziert werden. Dazu gehören Pestizide und Düngemittel, sowie biologische Materialien und Abfall.

Durch Bäume können jährlich in einer mittelgroßen Stadt etwa 10.886 Tonnen Erde gerettet werden. Ohne Bäume müssten zur Wasserkontrolle und Reinigung zusätzliche Mittel aufgewendet werden, um alternative Lösungen zu finanzieren, die so eingespart werden können.

Immobilienwert

Neben allen anderen Vorteilen, die Bäume mit sich bringen, ist vor allem ihr ästhetischer Wert von Bedeutung für gesteigerte Immobilienwerte. Bäume sorgen für ein geschäftsförderndes und positives Erscheinungsbild und schaffen so eine positive Atmosphäre.

Mit höheren Immobilienwerten sind zahlreiche weitere ökonomische Vorteile verknüpft. Höhere Immobilienpreise führen zu höheren Steuereinnahmen und einem höheren Einkommensniveau.

Durch die Attraktivität der Bäume gibt es außerdem kürzere Leerstandszeiten, mehr Arbeitsplätze, höhere Arbeitsproduktivität und es wird eine größere Anzahl von Kunden angezogen.

Der Wert des Baumbestandes ist also Teil des Immobilienpreises. Mit Bäumen kann der Wert eines Grundstücks um bis zu 19 % ansteigen, der Grundstückswert bis zu 27 %. Je mehr Bäume auf einem Grundstück sind und je älter die Bäume sind, desto höher ist auch der Wert. Zu beachten ist auch die visuelle Abschirmung, da Bäume unerwünschte und weniger schöne Bereich verdecken und stattdessen eine schöne Aussicht bieten.

Reduzierung der Straßenerneuerung

Durch die richtige Planung von Baumstandorten können außerdem erhebliche Kosten gespart werden, wenn es um die Entstehung und Reparatur von Straßenschäden geht. Dafür wurden in einer Studie zur Reduzierung von Gehwegsschäden drei Hauptpunkte festgelegt, durch die Kosten gespart werden können:

  • Verwendung weniger wartungsintensiver Materialien
  • Ablenken der Wurzeln von der Pflasterung
  • Wurzeln Freiraum schaffen

Weitere Faktoren

Neben den genannten und vorgeschlagenen Faktoren zur Messung des Nutzens gibt es weitere Vorteile, die diese begünstigen. Dazu gehören Blendungsreduzierung, Vorteile für die Gesundheit und Erholung, Lärmbekämpfung, tierische Lebensräume und soziale Interaktionen.

Bäume helfen bei der Kontrolle von Lichtstreuung und -intensität. Durch das Blockieren und Reflektieren von Sonnenstrahlen und künstlichem Licht wird die Belastung für unsere Augen und Lichtverschmutzung reduziert.

Gerade in Städten sind Bäume eine der wenigen Schnittpunkte zur Natur und sind somit umso bedeutender. Bäume fördern die Gesundheit. Durch sie sinkt das Stresslevel und die Erholung wird verbessert. Dies verkürzt die Aufenthaltszeiten in Krankenhäusern und verringert z. B. die benötigten Mengen an Medikamenten.

Auch der Wert von Tieren in Städten ist nicht zu vergessen, da sie einen Beitrag zu ästhetischen, Erholungs- und Bildungszwecken leisten. Bäume sind lebende Systeme, die mit anderen Lebewesen bei der gemeinsamen Wiederverwertung von Ressourcen zusammenarbeiten und so auch von Tieren abhängig sind.
Der jährliche ökologische Beitrag eines Baumes wird auf 230 € geschätzt. Zudem bieten sie durch die schattigen und offenen Bereiche einen ruhigen und schönen Ort, an dem Menschen sich wohl fühlen und sich gerne treffen und unterhalten.

Bei der Lärmsenkung leisten Bäume ebenfalls einen großen Beitrag. Durch Reflektion und Absorption von Schallenergie kann der Lärm durch 30 m Wald um etwa 7 db reduziert werden. Zudem liefern Bäume durch das Rauschen der Blätter und Äste im Wind ein „weißes Rauschen“, das als natürliches Geräusch andere Geräusche der Stadt überdeckt und als angenehm wahrgenommen wird.

Was bedeutet das?

Auch wenn durch die vorgeschlagene Formel zur Berechnung des Nutzens bei weitem noch nicht alle Faktoren, die für den wirtschaftlichen Nutzen eines Baumes eine Rolle spielen, abgedeckt sind, lässt sich dennoch ein deutlich genaueres Bild schaffen als durch herkömmliche Berechnungen. Die wichtigsten Faktoren sind durch die vorgeschlagene Formel bereits abgedeckt und weitere Faktoren, die auch eine Rolle spielen sind damit verknüpft. Durch eine detailliertere Ausarbeitung der Formel kann der Nutzen von Bäumen also noch höher zu beziffern sein.

Beispielrechnung Adelaide:

Vorteilskategorie und Wert

  • Energie-Einsparungen: 54 €
  • Luftqualität
    CO2 (reduzierte Abgabe): 1 €
    Luftverschmutzung: 29 €
  • Regenwasser: 6 €
  • Ästhetik/Sonstige: 55 €
  • Ersparnis bei Reparaturen: unbekannt

Geschätzter Gesamtvorteil: 145 €

Die Studie erstellt diese Nutzenrechnung exemplarisch am Beispiel Adelaides und bezieht sich z. T. auf weitere Studien. Einige Faktoren bleiben noch unberücksichtigt.

Das Ergebnis kann bei Zugrundeliegen exakter Daten anders ausfallen.

Auch wenn Adelaides mediterranes Klima nicht direkt mit unserem vergleichbar ist, bietet dieses Beispiel dennoch eine grobe Einschätzung, wie eine Kostennutzenrechnung für Stadtbäume durchgeführt werden kann.

Quelle:
The economic value of trees in urban areas: estimating the benefits of Adelaide’s street trees“, Phillip Killicoat, Eva Puzio & Randy Stringer – School of Economics and Centre for International Economic Studies, University of Adelaide, 2002, aufgerufen am 27.10.2020

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