Für die Schaffung lebenswerter, nachhaltiger Städte wurde die Bedeutung der natürlichen Umwelt in den letzten zwei Jahrzehnten zunehmend erkannt. In Anbetracht der globalen Erwärmung haben aktuelle Anstrengungen die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren, auch die Berücksichtigung der Umweltvorteile städtischer Bäume wieder erhöht.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse liefern nun überwältigende Beweise für die zahlreichen Vorteile, die Bäume sowohl im Hinblick auf ihre sozialen als auch auf ihre Umweltauswirkungen für das Stadtklima haben. Dass Bäume die Lebensqualität der Stadtbewohner verbessern und einen positiven Beitrag zu großflächigen Planungs- und Infrastrukturanforderungen leisten können, steht außer Frage. Gesunde Stadtbäume, werden nun immer mehr zu einem zentralen Bestandteil von Strategien, z. B. des Managements des städtischen Mikroklimas, der Schaffung wassersensitiver Stadtgestaltungssysteme (Regenwassermanagement) oder auch der Verbesserung der Luftqualität in innerstädtischen Gebieten. Das Wachstum städtischer Wälder spielt auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Strategien zur Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes.

Dieser Artikel soll einen Überblick über die Vorteile geben, die Bäume in unseren regionalen und städtischen Gebieten bieten können. Zusätzlich ist es ein Appell für die Erweiterung und Erhaltung unserer städtischen Baumbestände.

Kohlenstoffreduzierung

Die Reduktion von Treibhausgasemissionen ist ein wichtiger Bereich von internationalem Interesse, in dem Bäume bereits eine bedeutende Rolle spielen. Bäume absorbieren Kohlenstoff. Diese Fähigkeit ist nachweislich eine der wertvollsten Eigenschaften im Hinblick auf die weltweiten Bemühungen den Klimawandel aufzuhalten.

Ein einziger ausgewachsener Baum kann bis zu 22 kg Kohlendioxid pro Jahr aufnehmen und gibt gleichzeitig genug Sauerstoff an die Atmosphäre ab, um zwei Menschen mit Frischluft zu unterstützen. Daher bleibt die Pflanzung von Bäumen eines der effizientesten und kostengünstigsten Mittel, um überschüssiges CO2 aus der Atmosphäre zu filtern.
Stadtbäume helfen auch den Energieverbrauch in heißen Sommern zu senken, indem sie die Temperatur der Umgebungsluft senken. Das Pflanzen von 100 Millionen erwachsenen Bäumen in der Umgebung von Wohnhäusern in Nord- und Südamerika soll jährlich etwa zwei Milliarden US-Dollar an Energie einsparen.

Weitere Vorteile für die Umwelt

Gesunde Stadtbäume können zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen, indem sie natürliche Lebensräume für Vögel und vor allem Insekten bieten.
Die Schaffung von Lebensräumen dieser Art ist dringend geboten, da viele unserer einheimischen Arten durch die „Auf der grünen Wiese“-Entwicklung verursachte Verschlechterung der Lebensräume stark unter Druck geraten.
Mit einer durchdachten Planung können Bepflanzungsstreifen geschaffen werden, die eine Verbindung zwischen städtischen Parks, lebendigen Gärten und ländlichen Gebieten herstellen, sodass sich Wildtiere frei in und aus städtischen Gebieten heraus bewegen können und zusätzliche Lebensräume entstehen. Darüber hinaus bieten städtische Bäume auch eine Reihe von Vorteilen für die städtische Bevölkerung. Eine der wichtigsten ist ihr Einfluss auf die Luftqualität. Bäume sind in der Lage eine überraschende Anzahl von Schadstoffen zu filtern und zu speichern, die mit einer schlechten städtischen Luft- und Bodenqualität verbunden sind.

Einige schädliche von Bäumen gefilterte Schadstoffe sind:

  • Schwefeldioxid
  • Stickoxide und Partikel
  • Kohlenmonoxid
  • Cadmium
  • Nickel
  • Blei

Untersuchungen belegen, dass städtische Bäume in den Vereinigten Staaten jährlich etwa 784.000 Tonnen Luftverschmutzung mit einem Wert von 3,8 Milliarden US-Dollar entfernen. Die Filterung dieser schädlichen Chemikalien aus den lokalen Ökosystemen wirkt sich natürlich auch auf die Gesundheit der Stadtbevölkerung aus, wie später näher erläutert wird. Bäume und andere Pflanzen helfen bei der Sanierung von Böden auf Deponien und anderen kontaminierten Standorten, indem sie eine Reihe von Schadstoffen aufnehmen, umwandeln und zurückhalten. Bäume können auch dazu beitragen, eine Reihe von klimatischen Auswirkungen zu regulieren, die die Bewohner und Infrastrukturen städtischer Gebiete stören können.

Strategen und Stadtplaner erkennen jetzt diese Fähigkeiten. Zum Beispiel haben Bäume das Potenzial, ein Schlüsselelement der städtischen Klimaschutzstrategien zu bilden, da sie durch die Transpiration von Wasser Schatten erzeugen und die Umgebungstemperatur senken.
Ein ausgewachsener Baum hat in etwa den gleichen Kühleffekt wie zehn Raumklimageräte. Dieser Kühleffekt wird zu einem effektiven Mittel, um städtische Wärmeinseln und Hot Spots in Städten zu reduzieren.

Bäume können bis zu 10 % des örtlichen Energieverbrauchs einsparen, indem sie das lokale Klima mäßigen und den Bedarf an Ventilatoren und Klimaanlagen in den wärmeren Monaten verringern. Bäume können auch einen großen Einfluss auf den Wasserkreislauf städtischer Gebiete ausüben. Die Krone eines großen Baumes ist ein freistehendes Hochwasserreservoir und hundert reife Bäume können jährlich über eine Million Liter Regenwasser aufnehmen.

Messungen an einer ausgewachsenen Linde (Kronendurchmesser ca. 14 m) in Malmö, Schweden, ergaben, dass dieser Baum im Juli 2006 rund 670 Liter Wasser pro Tag verbraucht hat. Der Baumbestand einer Gemeinde kann den Abfluss von Regenwasser um etwa 40 % reduzieren.

Dadurch wird die Erosion des Oberbodens reduziert und zusätzliche die Auswaschung von Schadstoffen in die städtischen Gewässer verhindert. Bäume werden aufgrund ihrer Wasserdurchlässigkeit zu einem wichtigen Bestandteil von wassersensitiver Stadtbildentwicklung.
Schließlich können Stadtbäume durch die Schaffung von natürlichen Barrieren und Leitblechen dazu beitragen, die Lärmbelästigung und die negativen Auswirkungen des städtischen Windkanals zu verringern.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich der Einfluss von Bäumen auf die Windgeschwindigkeit bis auf das Zehnfache ihrer eigenen Höhe ausdehnen kann. Breite Bepflanzungen (ca. 30 m) mit hohen, dichten Bäumen in Kombination mit weichen Bodenflächen verringern die gefühlte Lautstärke um mindestens 50%.

Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt

Es gibt im Vergleich zu gesunden Bäumen und Grünflächen kaum etwas, das einen solch positiven Einfluss auf Stadtbild und Atmosphäre hat. Sie fördern den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft, stiften eine lokale Identität und schaffen grüne Highlights. Grünflächen bieten Raum für Freizeit- und Gemeinschaftsaktivitäten, sie fördern die Attraktivität von Städten und Gemeinden und stärken darüberhinaus die Identifikation der Anwohner mit ihrem Viertel. Sie können auch überraschende Auswirkungen auf das physische und psychische Wohlbefinden der lokalen Bevölkerung haben.

Eine Studie aus den Niederlanden zeigt, dass jede 10 %ige Zunahme von Grünflächen in den Gemeinden gesundheitliche Beschwerden um fünf Jahre verschieben kann. Bäume helfen nachweislich, die Häufigkeit von Hautkrebs, Asthma, Bluthochdruck und stressbedingten Erkrankungen zu reduzieren. Dazu filtern sie verschmutzte Luft, reduzieren die Smogbildung, spenden Schatten und schaffen eine attraktive, beruhigende Umgebung. Neuere Forschungen deuten auch darauf hin, dass Bäume einen therapeutischen Effekt für Personen haben können, die an Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden, was sowohl ihre Aufmerksamkeitsspanne als auch ihre soziale Funktionsfähigkeit verbessert. Die gleiche Studie attestiert auch, dass Studenten mit regelmäßigem Zugang zu Grünflächen in Tests besser abschneiden.

Ausgewachsene Bäume wirken sich sogar positiv auf das Ausmaß der Kleinkriminalität und des unsozialen Verhaltens im innerstädtischen Bereich aus. Untersuchungen, die in Chicago von Wissenschaftlern der University of Illinois durchgeführt wurden, kamen zu dem Schluss, dass das Vorhandensein von Bäumen selbst nach Abzug sozioökonomischer Faktoren an einem Standort die Kriminalitätsrate um bis zu 7% senken könnte. Auf der Ebene der einzelnen Gebäude und Siedlungen waren die Auswirkungen von ausgewachsenen Bäumen noch stärker ausgeprägt; Wohnblöcke, die von alten Bäumen umgeben waren, erlebten sage und schreibe 52% weniger gemeldete Verbrechen als solche ohne Grün.
Bäume wirken sich auch positiv auf die Verkehrssicherheit aus. Untersuchungen im Vereinigten Königreich zeigen, dass die strategische Positionierung von Straßenbäumen die Wahrnehmung der Fahrer über die Geschwindigkeit, mit der sie unterwegs sind, positiv beeinflussen und das Fahrverhalten verlangsamen.

Straßenseitige Bepflanzung verbessert auch die Sicherheit von Fußgängern, indem sie eine natürliche Barriere zwischen Straßen und Gehwegen schafft. Zudem wird vermutet, dass das Fahren durch baumbestandene Straßen eine beruhigende Wirkung auf Autofahrer hat, und somit die Ereignisse reduziert, die durch „Straßenwut“ ausgelöst werden.

Wirtschaftliche Faktoren

Da städtische Bäume all diese Vorteile bieten, ist es auch nicht verwunderlich, dass Immobilien in Stadtteilen mit gesundem Baumbestand attraktiver und wertvoller sind.
Unabhängige Studien, die sowohl in Großbritannien als auch in den USA durchgeführt wurden, belegen, dass Immobilien in baumbestandenen Straßen durchgängig 5–15 % höher bewertet werden als identische Immobilien auf Straßen ohne Bäume.
Selbst der Blick auf eine bepflanzte Fläche oder einen Park kann bereits ausreichen, um den Wert eines Hauses zu steigern. Ähnliche Studien belegen, dass die Preise für Waren, die in landschaftlich schön gestalteten Gebieten gekauft wurden, um 11% höher waren als in Gebieten ohne Bäume.

Wasserdurchfluss und -qualität

„Bäume und Böden verbessern die Wasserqualität und reduzieren den Bedarf an kostspieliger Regenwasserbehandlung“
(Entfernung von Schadstoffen, die bei Regen/Schneeereignissen von Straßen, Parkplätzen und Dächern ausgewaschen werden), indem der Niederschlag abgefangen und zurückgehalten oder verlangsamt wird. Es wird geschätzt, dass während eines heftigen Sturms in Dayton (Ohio), zum Beispiel, die Baumkrone den potenziellen Wasserabfluss um 7 % reduziert hat.“
(Sanders, R.A: „Urban vegetation impacts on the urban hydrology of Dayton, Ohio“, Urban Ecology, 6/1986, S. 361–376.)

Fazit

Es überrascht nicht, dass sich Menschen auf allen Ebenen der Gesellschaft zunehmend der wichtigen Rolle bewusst werden, die Bäume für ein lebenswertes Umfeld haben, und deswegen bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft für unsere Städte eine wichtige Rolle spielen.
Auch international spiegelt sich dieses wachsende Bewusstsein in der Anzahl der Baumpflanzungsverpflichtungen wider, die Politiker in den vergangenen Jahren eingegangen sind. In den USA beispielsweise plant die Stadt New York, im nächsten Jahrzehnt eine Million Bäume zu pflanzen und den Stadtwald um 20% zu vergrößern.

Die Londoner Behörden haben vor Beginn der Olympischen Spiele 2012 zehntausend zusätzliche Bäume in der Hauptstadt gepflanzt, und eine weitere Million Bäume wird die britische Regierung in den nächsten fünf Jahren im Rahmen des „Big Tree Programme“ pflanzen. Der Stadtrat von Brisbane hat sich verpflichtet, bis 2022 zwei Millionen Bäume zu pflanzen.

Dass die politischen Entscheidungsträger bereit sind, trotz eines unsicheren Wirtschaftsklimas Investitionen in unsere städtischen Wälder zu tätigen, ist eine ausgezeichnete Nachricht für Umwelt- und Naturschützer, sowie für regionale und städtische Bewohner. Doch damit die Vorteile dieser Initiativen voll zum Tragen kommen, ist es wichtig, dass die gepflanzten Bäume die bestmöglichen Überlebenschancen haben. Dies bedeutet, dass darauf geachtet werden muss, sie unter Bedingungen zu pflanzen, die es ihnen ermöglichen, sich zu verwurzeln und zu gedeihen. Es muss verhindert werden, dass sie wegen der lebensfeindlichen städtischen Umgebung an Nährstoff- und Platzmangel, insbesondere für das Wurzelwerk, verhungern. Viele Studien zeigen, dass die unzureichende Berücksichtigung der Bedürfnisse von Bäumen in der frühen Wachstumsphase Städten auf der ganzen Welt viele Millionen Euro pro Jahr kostet. Insbesondere die Beseitigung von Schäden an Bürgersteigen, Abwasserkanälen, Gebäudefundamenten, Parkplätzen und Versorgungseinrichtungen kosten viel Geld. Hinzu kommt, dass Bäume häufig nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen und die bereits diskutierten Vorteile nicht ausgeschöpft werden.

Wir brauchen Bäume dort am meisten, wo sie die größten Herausforderungen für eine erfolgreiche Entwicklung haben: in unseren Städten.

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