Regenwasser als Ressource
Regenwasser galt in der Stadtplanung lange ausschließlich als Abwasser, das möglichst schnell abgeleitet werden muss. Derzeit findet ein anhaltendes Umdenken statt. Angesichts klimabedingter Extremwetterereignisse, steigender Versiegelung und wachsender urbaner Hitzeinseln wird deutlich, dass Regenwasser ein strategischer und wertvoller Rohstoff ist.
Das Konzept der Blau-Grünen-Infrastruktur ist ein komplexes, integrales System, das ökologische, technische und städtebauliche Anforderungen zusammenführt. Richtig genutzt, kann Regenwasser so zur Kühlung von Städten beitragen, Pflanzen und Bäume versorgen, Grundwasser anreichern und technische Infrastrukturen entlasten.
Herausforderungen durch Starkregen und Trockenperioden
In den vergangenen Jahren hat sich die Extremwetterlage in Deutschland deutlich verschärft. Starkregen, Sturzfluten und längere Trockenperioden treten nicht nur gefühlt, sondern auch messbar häufiger und intensiver auf. Der Klimaatlas des Deutschen Wetterdienstes (DWD) dokumentiert die Wetterentwicklung vom Jahr 1971 an und bietet zusätzlich Klimaszenarien für die nächsten Jahrzehnte.
Radarbasierte Ereigniskataloge zeigen, dass Starkregen heute in kürzeren Intervallen, mit höherer räumlicher Präzision und oft mit zerstörerischer Wucht auftritt. Diese Ereignisse entstehen meist lokal begrenzt, entwickeln sich innerhalb weniger Minuten und bringen Regenmengen, die früher nur in außergewöhnlichen Ausnahmefällen gemessen wurden.
Gleichzeitig belegt das Umweltbundesamt, dass die Erderwärmung nicht nur zu einer Intensivierung von Starkregenereignissen führt, sondern auch längere Trockenperioden begünstigt. Stadtbäume leiden an Wassermangel, die Böden werden weiterhin versiegelt und die Temperaturen nehmen zu. Die Konsequenzen sind Hitzeinseln, verdorrte Pflanzen und ein zunehmender Bedarf an Bewässerung.
Kommunen und Stadtplaner beziehen in ihren Infrastrukturprojekten ein, dass klassische Entwässerungssysteme bei Starkregen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, während gleichzeitig in Trockenphasen wertvolles Wasser fehlt.
Funktionsweise von SuDS
Sustainable Drainage Systems (SuDS) werden im deutschsprachigen Raum auch als „nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung“ oder schwammstadtfähige Entwässerungssysteme bezeichnet. SuDS bilden den natürlichen Wasserkreislauf in urbanen Räumen nach, in dem sie technische und ökologische Pufferzonen schaffen.
Statt Regenwasser wie im klassischen grauen System direkt in Rohre und Kanäle abzuleiten, setzen SuDS darauf, Niederschläge dort zurückzuhalten, wo sie fallen, zu versickern oder kontrolliert zu verzögern. So werden Überflutungen und Überlastungen der Kanalisation reduziert, Grundwasser und Vegetation gestärkt und Hitzeeffekte gemildert.
Technisch betrachtet besteht ein schwammstadtfähige Entwässerungssysteme aus einer abgestimmten Kette von Elementen. An der Oberfläche wird das Regenwasser durch Mulden, Grünflächen oder Baumstandorte zunächst gesammelt und zügig in den Boden geleitet. So können Abflussspitzen bei Starkregen deutlich abgeflacht werden.
Unter der Oberfläche übernehmen Rigolen und modulare Retentionskörper die Aufgabe, Wasser zwischenzuspeichern, zu filtern und kontrolliert an das umgebende Erdreich oder an Vegetation abzugeben. So können Stadtbäumen in Trockenphasen von diesem Wasserspeicher profitieren, während bei Starkregen die Rigole als Puffer fungiert und Kanäle entlastet.
SuDS erzeugen sichtbare und nutzbare blau-grüne Elemente in der Stadt. Bepflanzte Mulden, kleine Wasserflächen, Baumstandorte mit Rigolen verbessern das Mikroklima, die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität, ohne dass sie ausschließlich technische Infrastruktur wären.
Mehr Informationen zum Schwammstadtprinzip und seiner klimaresilienten Wirkung finden Sie hier: Schwammstadtprinzip – Städte klimaresilient gestalten
Welche Vorteile ergeben sich für Kommunen, Planer und Landschaftsarchitekten?
- Klimaanpassung & Risikominimierung
- Entlastung der Kanalisation
- Gesündere, leistungsfähigere Stadtbäume
- Planungs- und Genehmigungssicherheit
- Wirtschaftlichkeit über den Lebenszyklus
- Höhere Aufenthalts- und Lebensqualität
- Mehr Gestaltungsfreiheit für Planer:innen
Blau-grüne Infrastruktur macht Städte widerstandsfähiger gegen Starkregen, Hitze und Trockenperioden, indem sie Regenwasser als Ressource statt als Abfall behandelt. Dezentraler Rückhalt speichert Wasser zwischen und gibt es zeitverzögert wieder ab, wodurch bei Starkregen Überflutungsrisiken sinken. Gleichzeitig steht das zwischengespeicherte Wasser in Trockenphasen für Bäume und Grünflächen zur Verfügung. Die Hitzebelastung wird so reduziert und das lokale Mikroklima spürbar verbessert.
Die bestehende Kanalinfrastruktur wird entlastet, wenn Regenwasser dort zurückgehalten wird, wo es fällt und es nur verzögert in die städtischen Leitungsnetze eingespeist wird. Das reduziert die Abflussspitzen bei Starkregenereignissen und senkt die Wahrscheinlichkeit von Rückstau maßgeblich. Weiter können so mittelfristig kostspielige Kanalaufweitungen vermieden werden.
Belüftete Wurzelräume und Baumrigolen, die Regenwasser aus Straßenflächen aufnehmen und im Wurzelraum speichern, bilden nachhaltig gute Standortbedingungen für Stadtbäume. Durch die kontinuierlichere Wasserversorgung, bessere Durchwurzelbarkeit und ausreichend Sauerstoff entwickeln Bäume größere Kronen, bleiben auch in Hitze- und Trockenphasen vitaler und können das Mikroklima der Stadt dauerhaft verbessern.
Für Kommunen und Planungsbüros sind normgerechte, erprobte Systeme für das Schwammstadtprinzip verlässliche Mittel für mehr Sicherheit in Planung, Ausschreibung und Betrieb. Standardisierte, modular aufgebaute Lösungen lassen sich leicht in Bebauungspläne, Entwässerungsnachweise und Förderprogramme integrieren, weil sie Anforderungen aus Wasserwirtschaft, Stadtplanung und Umweltrecht belegbar erfüllen.
Modulare SuD-Systeme werden durch ihre Langlebigkeit und dauerhaften Nutzen rentabel, selbst wenn Erstinvestitionen zunächst höher erscheinen als bei rein grauer Infrastruktur. Durch geringere Überflutungsschäden, weniger Schäden an Straßen und Gebäuden, niedrigere Bewässerungsaufwände und die Entlastung der Kanalisation sinken Betriebskosten und Folgekosten erheblich. Zusätzlich erhöhen klimaangepasste Stadträume den Wert von Grundstücken und Quartieren, was bei größeren Entwicklungsprojekten die Gesamtbilanz deutlich verbessert.
Gesundes Stadtgrün verbessert die Lebensqualität im Alltag. Beschattete Plätze, grüne Straßenräume und vernetzte blau-grüne Strukturen schaffen attraktive Aufenthaltsorte, fördern Gesundheit und Wohlbefinden und laden zum Aufenthalt im öffentlichen Raum ein. Gleichzeitig stärkt die Kombination aus Vegetation und Wasser die Biodiversität und macht die Stadt insgesamt naturnäher und erlebbarer.
Für Landschaftsarchitekt:innen, Stadtplaner:innen und Ingenieurbüros eröffnet sich Infrastrukturen die Möglichkeit, technische Infrastruktur bewusst und gestalterisch anspruchsvoll in Freiräume zu integrieren. So entstehen identitätsstiftende Elemente der Stadtgestaltung wie bepflanzte Mulden, Wasserläufe oder Baumrigolen, die gleichzeitig Entwässerungsaufgabe, Gestaltungselement und ökologische Struktur sind.
Greenleaf macht Städte Wetter-widerstandsfähiger
Greenleaf unterstützt seit mehr als 20 Jahren das Umdenken im Umgang mit Regenwasser, dabei stets mit hoher fachlicher Expertise und einem klaren Fokus auf klimaresiliente Stadtentwicklung.
Wir bieten ein umfangreiches Portfolio von Systemlösungen wie ArborFlow an und vereinen dabei technische Kompetenz mit ästhetischen Ansprüchen. ArborFlow kombiniert die Entwässerung von Oberflächen mit leistungsfähigen Baumstandorten. Unterhalb befestigter Flächen entsteht durch ein Wurzelkammersystem ein unverdichteter Speicherraum mit hohem Porenvolumen, der Regenwasser aus angrenzenden Verkehrsflächen rasch aufnehmen kann. Das entlastet das Kanalisationsnetz und macht das Regenwasser für Bäume über längere Zeiträume verfügbar.
ArborFlow ist modular aufgebaut und lässt sich an unterschiedliche Zielsetzungen anpassen und mit weiteren Produkten als Systemlösung kombinieren. Entsprechend der individuellen Situation vor Ort, kann Entwässerung, Bewässerung oder eine Kombination aus beidem umgesetzt werden. Das macht ArborFlow zu einem ideale Baustein der Schwammstadt.
Mit einem engagierten Expertenteam unterstützen wir Architekt:innen, Ingenieur:innen und Kommunen schon in den frühen Phasen der Planung. Wir entwickeln maßgeschneiderte Lösungen für jedes Projekt und begleiten die Umsetzung, damit die blau-grüne Infrastruktur bis ins Detail funktioniert.
Fazit
Regenwasser besser zu nutzen bedeutet, es zwischenzuspeichern – für vitale Bäume und entlastete Kanalnetze. Was früher als schnell zu entsorgendes Abwasser betrachtet wurde, wird heute als strategische Ressource für Kühlung, Stadtgrün, Grundwasserneubildung und Überflutungsschutz erkannt. Dieser Perspektivwechsel wird durch schwammstadtfähige SuDS umsetzbar.
Technische Entwässerung, ökologische Funktionen und städtebauliche Qualitäten lassen sich in integrierte Lösungen verbinden. Damit ergibt sich für Kommunen, Planungsbüros und Landschaftsarchitekt:innen die Möglichkeit, Extremwetterrisiken zu mindern, die Infrastruktur auf lange Sicht ökonomischer zu gestalten und gleichzeitig Stadträume zu schaffen, die eine höhere Lebensqualität bieten.
Lassen Sie uns gemeinsam Regenwasser besser nutzen und Städte widerstandsfähiger machen. Wir freuen uns auf Ihre Schwammstadt-Projekte.