Neben Parks, Grünanlagen und Straßenbäumen gibt es einen weiteren Trend, den wir gerne betrachten möchten: Die Begrünung von Dächern und Fassaden. Zwar bieten wir selbst dafür (noch) keine Produkte an, allerdings sind die Möglichkeiten so spannend, dass man sich ihnen nicht verschließen sollte. Denn unterm Strich macht jede Art der Begrünung unsere Städte lebenswerter und lässt sie besser aussehen.

Die Aussichten sind derzeit eher beunruhigend: Städte überhitzen, es bilden sich sogenannte Hitzeinseln, die Luftqualität sinkt dramatisch. Hitzeinseln entstehen, wo viel Bebauung auf wenig Belüftung stößt. Das ist überall da der Fall, wo der Boden durch Bebauung versiegelt ist und sich nicht mehr selbst regulieren kann.

Berlin ist im Vergleich zum Umland durchschnittlich zwei Grad wärmer. In London wurden schon bis zu 10 Grad Unterschied gemessen. In Zukunft wird es nicht besser werden. Die Hitzeperioden werden länger und intensiver, der Regen wird weniger, aber wenn er kommt, dann umso heftiger. Die Feinstaubbelastung wird zunehmen, ebenso der Lärm durch erhöhtes Verkehrsaufkommen. Diese Faktoren haben erhebliche gesundheitliche Konsequenzen für die Bewohner dicht besiedelter Räume, physisch und psychisch.

Stadtbegrünung im Kampf gegen den Klimawandel 

Die stärkere Begrünung von Städten durch mehr Park- und Wasseranlagen ist das Ziel vieler Gemeinden, die das Problem, das auf alle zukommt, erkannt haben. Solche Projekte wirken allerdings eher auf die Atmosphäre über der Stadt, indem die Luft über ihr etwas kühler wird, als direkt in den Straßen, die ein paar Blöcke von der Grünfläche entfernt liegen. Auch der Effekt auf die Feinstaubbelastung ist räumlich begrenzt. Eine größere, nachhaltigere Wirkung erzielt man nur durch die direkte Begrünung der Straßen, also Stadtbäume. Aber auch begrünte Fassaden von bereits existierenden Gebäuden können dabei helfen.

Die Idee ist, dass man jeweils einen bestimmten Teil der Fassaden eines Gebäudes begrünt, um so der Natur sozusagen das zurückzugeben, was man ihr durch die Bebauung der Bodenfläche genommen hat. Eine andere Möglichkeit wäre, grundsätzlich das Dach komplett zu bepflanzen und so 100 Prozent der bebauten Standfläche zurückzugeben. Dabei hat der Bewuchs nicht nur klimatische Vorteile für die Stadt. Auch für die Isolierung des Gebäudes ist er hilfreich: Im Sommer kühlen die Pflanzen, im Winter isolieren sie. Durch die Energieeinsparung, so eine Überlegung, könnte die Bepflanzung finanziert werden.

Fassadenbegrünung als Teil der Stadtinfrastruktur

Demnach ist es wichtig, dass man beginnt, die Fassadenbegrünung nicht nur als ein rein schmückendes, sondern als ein wichtiges infrastrukturelles Element zu verstehen, das eine unabdingbare Funktion innerhalb der Stadt hat. Wobei die bereits existierenden Vorzeigeobjekte dieser Denkschule weltweit durchaus auch durch ihr Äußeres beeindrucken.

Es gibt bereits etliche Projekte weltweit, die die Fassadenbegrünung als integralen Bestandteil ihrer Planung von Anfang an berücksichtigen. Nicht nur wegen der dabei entstehenden klimatischen Vorteile, sondern auch wegen der enormen Anziehungskraft, die diese Gebäude in der Regel aufgrund ihres besonderen Looks entwickeln.

Mit die spannendsten Projekte zur Fassadenbegrünung gibt es mittlerweile in Singapur – einer der am dichtesten besiedelten Städte der Welt – wo die klimatischen Bedingungen für Begrünungen ideal sind. Die Stadt hatte bereits 2005 beschlossen, dass 100 Prozent des CO2-Footprints an der Gebäudehülle zurückgegeben werden müssen, was dazu führt, dass fast jedes Gebäude begrünt ist.

Bäume im Stadtpark vor Wolkenkratzern im Sommer

Die Begrünung kann sicherlich nicht alle Probleme, die sich in Zukunft beim Bau von Neuem stellen, lösen, doch wenn man sie ernsthaft als notwendige Infrastruktur zum Überleben in den Städten wahrnimmt, dann scheint sie einige der momentan drängendsten Probleme in den Städten angesichts der gewaltigen klimatischen Umwälzungen ganz praktisch anzugehen – zusätzlich zum Stadtbaum.

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